Ergebnisse der Umfrage "Naturbeobachtungen 2020"

An der Befragung, die vom 27. August 2020 bis zum 6. September 2020 stattgefunden hat, haben sich 3.401 Menschen beteiligt, wofür wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bei allen bedanken. Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer*innen wurde durch naturgucker.de-Quellen wie unseren Newsletter oder unseren Facebook-Auftritt auf die Befragung aufmerksam, die restlichen Personen hatten durch den NABU von der Befragung erfahren.

Prinzipiell war die Umfrage so konzipiert, dass die Beteiligung anonym möglich war. Dennoch haben auf freiwilliger Basis 63 % der Teilnehmer*innen ihre E-Mail-Adresse angegeben, um persönlich über die Ergebnisse informiert zu werden. Fast zwei Dritteln der teilnehmenden Personen haben demnach ihr großes Vertrauen in uns gezeigt, indem sie ihre E-Mail-Adresse genannt haben. Wir fühlen uns dadurch geehrt und wissen dieses Vertrauen sehr zu schätzen.

Mehr über die Teilnehmer*innen

Rund 61 % der Menschen, die sich an unserer Befragung beteiligt haben, sind weiblich; circa 39 % sind männlich und 0,4 % divers.

Das Durchschnittsalter aller Teilnehmer*innen, deren Antworten auswertbar waren, beträgt 55,6 Jahre. Nicht alle Angaben zum Alter konnten wir auswerten, weil einige Personen beispielsweise eine 0 eingetragen haben. Da dies jedoch lediglich für vergleichsweise wenige Teilnehmer*innen galt, ist die durchschnittliche Altersangabe tragfähig.

Wir haben darüber hinaus gefragt, in welchem Alter in Jahren die Teilnehmer*innen damit begonnen haben, sich für die Natur zu interessieren. Dies war in einigen Fällen bereits in jungen Jahren (Kindheit bis Jugend) der Fall, bei anderen dafür erst in einem deutlich späteren Lebensabschnitt. Als Durchschnittswert ergeben sich 15 Jahre. Der Grundstein für die Naturbegeisterung wurde bei zahlreichen Teilnehmer*innen somit bereits in einem frühen Lebensabschnitt gelegt.

Beweggründe für die Naturbeobachtung

Die Antworten auf die von uns gestellte Frage "Weshalb beobachten Sie gern die Natur?" brachten uns spannende Erkenntnisse. Sehr auffällig ist, dass für rund drei Viertel der Teilnehmer*innen das mit der Naturbeobachtung verknüpfte positive Empfinden die entscheidende Triebfeder ist.

Tatsächlich ist der Prozentsatz derer, für die die positiven Empfindungen wie Spaß ( = Freude) an der Sache sowie die Wertschätzung des Naturerlebnisses an sich besonders wichtig sind, sogar noch höher. Denn in den sonstigen Begründungen wurden vielfach Aspekte genannt, die im Kern denselben Sachverhalt beschreiben. Auffallend häufig wurde dort auch argumentiert, sich als Teil der Natur zu empfinden. 

Weshalb beobachten Sie gern die Natur?

AntwortAnteil
Weil es mir grundsätzlich Spaß macht30,9 %
Weil ich das Naturerlebnis schätze43,7 %
Weil ich mich erholen möchte1,9 %
Weil ich es mit Bewegung an der frischen Luft verbinden kann8,3 %
Weil ich es als sinnvolle Freizeitgestaltung empfinde7,0 %
Sonstiges8,2 %

Hinweis: Bei dieser Frage konnte nur eine Antwort ausgewählt werden.

Wo, wie und warum beobachten die Menschen gern die Natur?

Wie groß die Begeisterung für die Naturbeobachtung bei den Befragten ist, belegen die Rückmeldungen zur Häufigkeit: Neun von zehn Teilnehmer*innen gehen mindestens einmal wöchentlich raus. Ein großer Teil dieser Menschen hat sogar angegeben, mindestens fünfmal wöchentlich draußen die Natur zu beobachten.

Wie oft gehen Sie zum Beobachten raus?

AntwortAnteil
Mehr als 5x wöchentlich43,0 %
Mindestens 1x wöchentlich48,4 %
Mindestens 1x monatlich6,7 %
Mindestens 1x pro Quartal1,0 %
Weniger als 4x pro Jahr0,9 %

Hinweis: Bei dieser Frage konnte nur eine Antwort ausgewählt werden.

Rund 70 % der Teilnehmer*innen beobachten die Natur im Umkreis von bis zu 5 km um den eigenen Wohnort beziehungsweise im Garten.

Wo beobachten sie meist?

AntwortAnteil
Im Garten34,6 %
Im näheren Umfeld (Radius bis 5 km)35,0 %
Im mittleren Umfeld (Radius bis 25 km)26,8 %
Weiter entfernt als 25 km3,5 %

Hinweis: Bei dieser Frage konnte nur eine Antwort ausgewählt werden.

Das Entdecken der Natur um sich herum ist für circa 52 % der Befragten etwas, dem sie gern allein nachgehen. Daraus abzuleiten, dass Naturbeobachter tendenziell eher Eigenbrötler sind, wäre aber nicht richtig. Denn tatsächlich ist der Anteil derer, die gern mit anderen Menschen gemeinsam draußen unterwegs sind, mit 48 % fast genauso groß.

Besonders beliebt sind Naturexkursionen mit der/dem Partner*in oder der Familie. Im weitesten Sinne zählen zur Familie für einige der Befragten übrigens auch ihre Hunde, wie sie uns mitgeteilt haben.

Wie führen Sie Ihre Naturexkursionen am liebsten durch?

AntwortAnteil
Allein51,6 %
Mit der/dem Partner*n oder der Familie39,9 %
Mit anderen Naturfreund*innen7,4 %
Als Teilnehmer*in einer geführten Exkursion/Reise1,1 %

Hinweis: Bei dieser Frage konnte nur eine Antwort ausgewählt werden.

Uns interessierte, ob die Befragten auf ihren Spaziergängen und Exkursionen ein bestimmtes inhaltliches Ziel verfolgen. Bei dieser Frage konnten mehrere Antwortmöglichkeiten ausgewählt werden und es bestand ferner die Option, eine individuelle Antwort zu formulieren.

Ihr eigenes Wissen (über die Natur) zu erweitern, ist für fast zwei Drittel der Teilnehmer*innen ein wichtiges Ziel. Dem steht ein weiteres Drittel der Befragten gegenüber, das kein konkretes Ziel verfolgt.

Unterm Strich lässt sich für naturgucker.de feststellen: Unser Slogan "Naturgucken macht Spaß und schafft Wissen" spricht offensichtlich sehr vielen Teilnehmer*innen aus der Seele.

Verfolgen Sie bei Naturexkursionen ein bestimmtes inhaltliches Ziel?

AntwortAnteil
Ja, ich möchte mein Wissen erweitern63,5 %
Ja, ich möchte die beobachteten Arten dokumentieren34,1 %
Ja, ich möchte Forschungsvorhaben unterstützen17,1 %
Ja, ich möchte die Naturschutzarbeit unterstützen37,5 %
Ja, ich möchte Kontakte zu anderen Aktiven knüpfen9,7 %
Nein, ich verfolge kein konkretes Ziel36,0 %
Ja, andere Ziele10,8 %

Hinweis: Bei dieser Frage konnten mehrere Antworten ausgewählt werden.

Sehr gefreut haben wir uns darüber, dass circa zwei Drittel der Teilnehmer*innen angaben, ihre Naturbeobachtungen mindestens teilweise auf naturgucker.de zu dokumentieren. Doch wir hoffen natürlich, hier langfristig noch bessere Quoten erreichen zu können, damit künftig mehr Menschen ihre Beobachtungen nach Möglichkeit immer dokumentieren. Denn jede gemeldete Beobachtung ist wichtig für den Natur- und Artenschutz sowie für die Forschung.

Melden Sie Ihre Beobachtungen bei naturgucker.de bzw. nabu-naturgucker.de?

AntwortAnteil
Ja, immer5,6 %
Ja, teilweise59,5 %
Nein, ich melde meine Beobachtungen nirgendwo27,3 %
Nein, ich nutze folgende Portale:7,5 %

Hinweis: Bei dieser Frage konnte nur eine Antwort ausgewählt werden.

Artengruppen im Fokus

Auf naturgucker.de verteilen sich die gemeldeten Beobachtungen nicht gleichmäßig auf alle Artengruppen. Vogelbeobachtungen sind mit knapp 80 % zwar am stärksten vertreten. Daraus abzuleiten, dass auf naturgucker.de vor allem Vogelbeobachter als Melder aktiv sind, erweist sich aber als Trugschluss. Einer der Gründe dafür ist, dass Vögel beispielsweise verglichen mit Schnecken, Fischen oder Säugetieren meist sehr viel leichter draußen zu finden sind – und das oft sogar für versierte Beobachter.

Deshalb könnte es durchaus vorkommen, dass etwa ein/e Springspinnen-Liebhaber*in während einer Exkursion nur wenige achtbeinige Zielarten aufspürt, dafür aber in einem ergiebigen Gebiet durchaus problemlos auf über 30 Vogelsichtungen als "Beifang" kommt. Die schieren Beobachtungsanzahlen aus den einzelnen Artengruppen zeigen somit zwar eine Tendenz auf, geben aber kein vollständig korrektes Bild hinsichtlich der Beliebtheit der Artengruppen wider. 

Uns war es deshalb wichtig, etwas über die Lieblingsartengruppen der Teilnehmer*innen zu erfahren. Hierzu sei erwähnt, dass wir in den Jahren 2014 und 2017 unter den naturgucker.de-Nutzer*innen bereits Befragungen durchgeführt haben, bei denen wir ebenfalls nach den Beobachtungsschwerpunkten gefragt haben.

Wie die Ergebnisse aus der diesjährigen Umfrage zeigen, haben die Vögel den Schnabel (und die Nase) mit knapp 53  % tatsächlich weit vorn – aber eben nicht so sehr, wie es bei der Anzahl der gemeldeten Beobachtungen aus dieser Artengruppe ist. Die Gründe hierfür sind sicherlich sehr vielfältig und eine tiefgreifende Analyse würde an dieser Stelle zu weit führen.

Sonst noch etwas?

Dass viele Naturbegeisterte draußen nicht nur eine Artengruppe beachten, wussten wir bereits aus den vorangegangenen Befragungen. Aus diesem Grunde war es uns ein Anliegen, dieses Mal erneut nach weiteren Interessen zu fragen.

Beobachten Sie auch andere Arten?

AntwortAnteil
Vögel44,0 %
Pflanzen58,8 %
Pilze27,7 %
Säugetiere49,8 %
Insekten66,0 %
Andere16,5 %

Hinweis: Bei dieser Frage konnten mehrere Antworten ausgewählt werden.

Zukunftspläne in Sachen Erweiterung des Artenwissens

Darüber hinaus wollten wir gern mehr darüber erfahren, in welche Artengruppen sich die Teilnehmer*innen künftig einarbeiten möchten. Hierbei haben die Insekten mehrere andere Artengruppen deutlich übertrumpft.

Unsere weiteren Fragen zum Ausbauen des persönlichen Artenwissens haben ebenfalls zahlreiche Teilnehmer*innen beantwortet. Gestellt haben wir diese Fragen im Hinblick auf ein zukünftiges Projekt, in dessen Rahmen wir das Thema demnächst vertiefen werden. Dafür sind die bei der jüngsten Umfrage eingegangenen Antworten für uns sehr hilfreich und wir werden demnächst zu diesem Teilbereich und dem neuen Projekt an anderer Stelle weiterführende Informationen veröffentlichen.

Mitmach-Aktionen und Monitorings

Für unseren Partner NABU und uns war es wichtig zu erfahren, ob Mitmach-Aktionen wie der NABU Insektensommer oder die Stunde der Wintervögel bekannt sind und ob unsere Umfrage-Teilnehmer*innen zu diesen in der Vergangenheit bereits selbst Meldungen beigetragen haben. Die Ergebnisse sind eindeutig und überaus erfreulich.

Was halten Sie von NABU-Mitmachaktionen wie Insektensommer oder Stunde der Wintervögel?

AntwortAnteil
Finde ich gut und habe schon daran teilgenommen66,4 %
Finde ich gut, habe aber noch nicht selbst teilgenommen29,8 %
Finde ich nicht gut0,8 %
Dazu habe ich keine Meinung3,0 %

Hinweis: Bei dieser Frage konnte nur eine Antwort ausgewählt werden.

Dagegen haben die Monitorings von naturgucker.de, also unsere eigenen eher kleinen Beobachtungsprojekte, einen geradezu verschwindend geringeren Bekanntheitsgrad. Dies dürfte unter anderem daran liegen, dass sie bei weitem nicht mit der Medienpräsenz der großen Zählaktionen des NABU mithalten können. Uns zeigen die Umfrageergebnisse, dass wir hier noch eine Menge Arbeit vor uns haben und das ein oder andere neu durchdenken müssen.

Kennen Sie die Monitoring-Aktionen von naturgucker.de? (Frühe Blüher, Phänologie, etc.)

AntwortAnteil
Nein53,4 %
Ja, aber ich habe noch nicht teilgenommen35,6 %
Ja, ich habe schon daran teilgenommen9,7 %
Ja, ich nehme aber grundsätzlich nicht an Monitorings teil1,3 %

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