Häufigkeits-Index (mAI)

Der mAI ist ein mehrdimensionaler Arthäufigkeits-Index für die Daten aus naturgucker.de für Deutschland. Er basiert auf drei Einzelindikatoren, die zu einer Indikatorgröße zusammengefasst werden. Daraus resultieren Angaben zur relativen Häufigkeit oder Seltenheit von Beobachtungen einzelner Arten bezüglich ihrer Artgruppe. 

Auf naturgucker.de wird der mAI in den Artporträts in den Basisinfos im rechten Teil des Fensters angezeigt, siehe Markierung #1 in der Abbildung unten. Darunter befindet sich eine Farbskala von grün = sehr häufig (links) bis rot = sehr selten (rechts), die die relative Häufigkeit der jeweiligen Art repräsentiert. In der Beispielabbildung ist diese Farbskala bei Markierung #2 zu sehen.

 

Dafür steht der mAI

Die Blaugrüne Mosaikjungfer (Aeshna cyanea) ist eine Art aus der Artgruppe der Libellen (Odonata). Zu einem festgelegten Zeitpunkt gab es in naturgucker.de 4.901 Beobachtungen der Blaugrünen Mosaikjungfer. Zur gesamten Ordnung der Libellen gab es zum zum selben Zeitpunkt 60.778 Beobachtungen. Die Blaugrüne Mosaikjungfer ist zudem sehr häufig fotografiert worden. Verglichen mit dem gesamten Datenbestand ihrer Artgruppe (Libellen) ist der Datenbestand der Art (Blaugrüne Mosaikjungfer) groß und damit statistisch gesehen gut. Somit kann die komplette Datenmenge zu Aeshna cyanea als gut belastbar angesehen werden, und das ganz unabhängig davon, ob eventuell die eine oder andere einzelne Beobachtungsmeldung falsch sein mag.

 

In den mAI, der diesen Sachverhalt zusammenfasst, fließen die folgenden drei Komponenten ein:

  1. Beobachtungs-Intensität beziehungsweise Art/Artenklassen-Intensität (AAI)
    Sie dokumentiert den artspezifischen Häufigkeitsanteil an den Gesamtbeobachtungen einer Artgruppe oder -ordnung. Es handelt sich somit um die Zahl der Beobachtungen einer Art in einem definierten Zeitraum im Verhältnis zur Zahl der Beobachtungen der zugehörigen Artenklasse in einem definierten Zeitraum.

  2. Gebiete-Intensität beziehungsweise Art/Gebiete-Intensität (AGI)
    Sie dokumentiert die Verbreitung der Art in Deutschland durch den Anteil der Gebiete mit Meldungen der jeweiligen Art im Verhältnis zur vorliegenden Gebietezahl der Artgruppe oder -ordnung innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Die Gebiets-Bezugsgrößen sind hierbei TK25-Quadranten (TK25Q) und nicht die in naturgucker.de angelegten willkürlichen Gebiete!

  3. Melder-Intensität beziehungsweise Art/Melder-Intensität (AMI)
     Sie bezieht die Zahl der Beobachter ein, indem sie die Zahl der Artenmelder in einem definierten Zeitraum ins Verhältnis zur Zahl der Gesamtmelder in einem definierten Zeitraum setzt. Arten mit gleich hohen vorherigen Werten werden danach differenziert, ob es nur relativ wenige oder relativ viele Melder gibt.

Der mAI ist somit eine Artenklassen-, Gebiets- und Melderdaten-integrierende Größe. Es handelt sich bei ihm um eine objektiv ermittelte artbezogene Kennzahl mit höchstmöglichem Aktualitätsbezug, denn sie wird auf naturgucker.de tagesaktuell neu berechnet.

In der Praxis hat sich gezeigt, dass die mAI-Werte, die ja die Intensität der Präsenz der jeweiligen Art in naturgucker.de widerspiegeln, zum Beispiel bei den Libellen perfekt mit dem Rote-Liste-Status der einzelnen Arten korrelieren. Daraus lässt sich schließen, dass die Qualität der Beobachtungsdaten auf naturgucker.de ausreichend hoch für eine realistische Einschätzung der Bestandssituationen dieser Arten ist.

Der mAI ist ebenfalls eine systembezogene, also auf naturgucker.de bezogene Bewertung, die keine absolute Aussage im allgemeinen, systemunabhängigen Sinne erlaubt. Allerdings können auf dieser Basis durchaus Systeme miteinander verglichen werden. Zukünftig werden wir auf Basis des mAI beispielsweise auch die Entwicklung von Arten in naturgucker.de über die Jahre hinweg darstellen.

Was der mAI-Wert aussagen kann

Der Libellen-Experte Dr. Jürgen Ott analysierte mAI-Werte der in Deutschland vorkommenden Libellen und glich sie mit den Rote-Liste-Stati der einzelnen Arten ab. Es zeigte sich, dass die mAI-Werte nicht nur mit der Roten Liste korrelieren, sondern erheblich differenziertere Abstufungen als diese aufzeigen. So lässt sich beispielsweise erkennen, ob eine Art eher zur nächsthöheren oder zur nächstniedrigeren Einstufungskategorie der Roten Liste tendiert.

Zudem können die mAI-Werte tagesaktuell ausgegeben werden, wohingegen die Angaben in der Roten Liste einige Zeit alt sind. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Für die Ausarbeitung von Roten Listen finden im Vorfeld Kartierungen statt. Ab einem bestimmten Zeitpunkt wird der Datenbestand als vollständig angesehen und basierend auf ihm wird dann die Rote Liste erstellt. In der Zeit danach kann sich die Situation der Arten jedoch verändern. Diese Veränderungen, die sich jetzt abspielen, werden sich folglich erst in einer zukünftig erstellten Roten Liste widerspiegeln, sofern sie bei laufenden Kartierungen festgestellt werden.

Der mAI-Wert auf naturgucker.de bezieht tagesaktuell alle Beobachtungen mit ein, die zur Art gemeldet werden. Damit lassen sich auch zwischen dem Erscheinen einer Roten Liste und dem Erscheinen der nächsten entsprechenden Liste, das meist erst Jahre später stattfindet, die Libellendaten mittels der mAI-Werte quasi in "Echtzeit" zu jedem Zeitpunkt analysieren. Somit stellt der mAI-Wert eine wertvolle Ergänzung zu den Roten Listen dar.

Seine Ergebnisse hat Dr. Jürgen Ott in einer Veröffentlichung zusammengefasst, die Sie auf unserer Seite kostenlos abrufen können: zur Veröffentlichung.

Im Jahr 2017 wurden außerdem die mAI-Werte für die Artengruppe Schmetterlinge in ähnlicher Weise analysiert. Auch sie korrelieren mit der Roten Liste. Eine Veröffentlichung gibt es dazu jedoch bislang nicht.

Rechenbeispiel für den Häufigkeits-Index (mAI)

Damit Sie eine bessere Vorstellung davon bekommen, was es mit dem mAI auf sich hat und was er darstellen kann, haben wir für Sie auf naturwerke.net einen ausführlichen Text mit Rechenbeispielen aus der Artgruppe Libellen veröffentlicht: Mehr erfahren ...