arten|pisa 2019 - Eckdaten und Ergebnisse

Im Herbst 2019 führte naturgucker.de gemeinsam mit dem NABU, dem Kompetenzzentrum Kulturlandschaft an der Hochschule Geisenheim University und der Didaktik der Biologie der LMU München zum zweiten Mal eine große Umfrage zum Artenwissen durch. Im Folgenden informieren wir Sie über die Umfrage und einige Ergebnisse.

Die Eckdaten

Vom 30. August bis zum 8. September 2019 fand arten|pisa 2019 statt, also fast ziemlich genau zwei Jahre nach der ersten Umfrage dieser Art.

Für die Teilnahme gab es keine einschränkenden Bedingungen und es spielte auch keine Rolle, ob die Teilnehmer ihren Wissensstand selbst als eher hoch oder niedrig einstuften. Das Artenwissen wurde mit Hilfe eines bebilderten Online-Formulars mit 36 Fragen zu Arten aus 10 Artengruppen erfasst, siehe unten. Ergänzend gab es einen Bereich, in dem 6 Hummel-Bildpaare gezeigt wurden, siehe unten. Hier galt es für die Teilnehmenden zu entscheiden, ob auf den Fotopaaren ihrer Ansicht nach jeweils dieselbe oder eine unterschiedliche Hummelart zu sehen ist; die Artnamen wurden nicht abgefragt. Flankiert wurden diese beiden Teilbereiche durch 11 soziodemografische Fragen, zum Beispiel nach Alter und Geschlecht. Die Teilnahme war anonym möglich. Nur wer dies wünschte, konnte eine E-Mail-Adresse angeben, um seine persönlichen Ergebnisse im Laufe des Herbstes 2019 zu erfahren.

An der Befragung beteiligten sich 10.752 Menschen, bei denen wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken möchten! Auswertbar waren die Antworten von 10.705 Teilnehmenden.

Die 36 Artfragen

In der arten|pisa-Umfrage 2019 wurden den Teilnehmern 36 Fotos von Arten aus 10 Artengruppen gezeigt, zu denen sie in einem Freitextfeld aufschreiben sollten, wie diese heißen. Dabei stammten die Fotos aus folgenden Artengruppen:

  • Amphibien/Reptilien: 3 Fragen
  • Käfer: 3 Fragen
  • Libellen: 3 Fragen
  • Pflanzen: 6 Fragen
  • Säugetiere: 3 Fragen
  • Schmetterlinge: 6 Fragen
  • Sonstige Insekten (Heuschrecken, Wanzen etc.): 5 Fragen
  • Spinnentiere: 1 Frage
  • Vögel: 6 Fragen

Innerhalb der einzelnen Blöcke mit Ausnahme der Spinnentiere gab es jeweils leichte, mittelschwere und schwierige Fragen. Bei den Blöcken mit drei Fragen entfiel jeweils eine Frage auf die drei genannten Kategorien, bei den Blöcken mit 6 Fragen jeweils 2. Die Spinnentierfrage war als mittelschwer eingestuft, im Block Sonstige Insekten gab es zwei  leichte, eine mittelschwere und zwei schwierige Artfragen.

Art 01: Aurorafalter (Anthocharis cardamines), Kategorie "leicht"; Foto (c) Katrin Kittlaus-Gödecke
Art 02: Europäischer Maulwurf (Talpa europaea), Kategorie "leicht"; Foto (c) Martin Schroeder
Art 03: Erdkröte (Bufo bufo), Kategorie "leicht"; Foto (c) Peter Weiser
Art 04: Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus), Kategorie "mittel"; Foto (c) Antje Michelt
Art 05: juvenile Blaumeise (Cyanistes caeruleus), Kategorie "schwierig"; Foto (c) Margret Röker
Art 06: Gemeine Keiljungfer (Gomphus vulgatissimus), Kategorie "schwierig"; Foto (c) Maike Sprengel-Krause
Art 07: Herbst-Zeitlose (Colchicum autumnale), Kategorie "schwierig"; Foto (c) Hubertus Schwarzentraub
Art 08: Gefleckter Schmalbock (Rutpela maculata), Kategorie "mittel"; Foto (c) Armin Teichmann
Art 09: Kaisermantel (Argynnis paphia), Kategorie "mittel"; Foto (c) René Bürgisser
Art 10: Graureiher (Ardea cinerea), Kategorie "leicht"; Foto (c) Jürgen Podgorski
Art 11: Streifenwanze (Graphosoma lineatum), Kategorie "leicht"; Foto (c) Gaby Schulemann-Maier
Art 12: Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens), Kategorie "leicht"; Foto (c) Stella Mielke
Art 13: Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum), Kategorie "leicht"; Foto (c) Ulrich Köller
Art 14: Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamaedrys), Kategorie "schwierig"; Foto (c) Bernhard Schöner
Art 15: Westliche Honigbiene (Apis mellifera), Kategorie "leicht"; Foto (c) Frank Aeckersberg
Art 16: Eisvogel (Alcedo atthis), Kategorie "leicht"; Foto (c) Thorsten u.Wolfgang Klumb
Art 17: Gemeine Eichenschrecke (Meconema thalassinum), Kategorie "schwierig"; Foto (c) Martina Möllenkamp
Art 18: Busch-Windröschen (Anemone nemorosa), Kategorie "leicht"; Foto (c) Armin Teichmann
Art 19: Star (Sturnus vulgaris), Kategorie "mittel"; Foto (c) Jutta u. Peter Trentz
Art 20: Gefleckter Weidenblattkäfer (Chrysomela vigintipunctata), Kategorie "schwierig"; Foto (c) Thorsten u.Wolfgang Klumb
Art 21: Rot-Buche (Fagus sylvatica), Kategorie "leicht"; Foto (c) Heidrun Burchard
Art 22: Großer Fuchs (Nymphalis polychloros), Kategorie "schwierig"; Foto (c) Jörg Siemers
Art 23: Bekassine (Gallinago gallinago), Kategorie "schwierig"; Foto (c) Ulrike Marxmeier
Art 24: Gelbe Dungfliege (Scathophaga stercoraria), Kategorie "schwierig"; Foto (c) Rolf Jantz
Art 25: Gelbbauchunke (Bombina variegata), Kategorie "schwierig"; Foto (c) Alexander Schrey
Art 26: Rothirsch, weiblich (Cervus elaphus), Kategorie "schwierig"; Foto (c) Rainer Armbruster
Art 27: Kleines Springkraut (Impatiens parviflora), Kategorie "mittel"; Foto (c) Wolfgang Katz
Art 28: Frühe Adonislibelle (Pyrrhosoma nymphula), Kategorie "mittel"; Foto (c) Birgit Wichelmann-Werth
Art 29: Landkärtchen (Araschnia levana), Kategorie "mittel"; Foto (c) Birgit Wichelmann-Werth
Art 30: Hornissenschwebfliege (Volucella zonaria), Kategorie "mittel"; Foto (c) Gerhard Kleinschrod
Art 31: Feldsperling (Passer montanus), Kategorie "mittel", Foto (c) Franz Rothenhäusler
Art 32: Feldhase (Lepus europaeus), Kategorie "mittel"; Foto (c) Axel Aßmann
Art 33: Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata), Kategorie "leicht"; Foto (c) Inge Bartholomäus-Kaelcke
Art 34: Spitz-Wegerich (Plantago lanceolata), Kategorie "mittel"; Foto (c) Stella Mielke
Art 35: Karminbär oder Blutbär oder Jakobskrautbär (Tyria jacobaeae), Kategorie "schwierig"; Foto (c) Susanne Wunn
Art 36: Zauneidechse (Lacerta agilis), Kategorie "mittel", Foto (c) Carolin Zimmermann

Die Bewertung der Artfragen

Den Initiatoren der arten|pisa-Umfrage 2019 ging es darum, Einblicke in das Artenwissen zu erhalten, wobei auch artungenaues Wissen honoriert wurde. Das heißt, wer beispielsweise den Aurorafalter nicht namentlich benennen konnte, jedoch sagen konnte, dass es sich um einen Schmetterling handelt, der erhielt einige Punkte.

Es wurde bei den meisten Fragen wie folgt bewertet:

10 Punkte = vollständig richtige Antwort
  7 Punkte = teilweise richtige Antwort in bestimmter Qualitätsstufe
  5 Punkte = teilweise richtige Antwort in bestimmter Qualitätsstufe
  3 Punkte = teilweise richtige Antwort in bestimmter Qualitätsstufe
  0 Punkte = falsche oder keine Antwort

Daraus ergibt sich eine mögliche Höchstpunktzahl von 360 für die Umfrageteilnehmer im Artfragenteil.

Hinweis: Den umfassenden Bewertungsschlüssel finden Sie hier als PDF-Dokument.

Die 6 Hummelvergleichsfragen

Mit diesem Teil des Testes sollte - zumindest in kleinem Maßstab - eine Studie aus Großbritannien von Austen et al. aus dem Jahre 2016 nachgestellt werden. Ziel war es herauszufinden, ob es den Betrachtern gelingt, anhand von Fotos zu erkennen, ob dieselben oder unterschiedliche Hummelarten auf zwei Bildern zu sehen sind. Dabei war es nicht vonnöten, die Namen der Hummelarten zu kennen.

Bild 1a: Helle Erdhummel (Bombus lucorum); Foto (c) Rolf Jantz
Bild 1b: Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris); Foto (c) Chris Engelhardt
--> Bilderpaar nicht gleich

Bild 2a: Baumhummel (Bombus hypnorum); Foto (c) Gerhard Schmidt
Bild 2b: Baumhummel (Bombus hypnorum); Foto (c) Karola Schmidtmann
-->Bilderpaar gleich

Bild 3a: Mooshummel (Bombus muscorum); Foto (c) Ralf Schmidt
Bild 3b: Mooshummel (Bombus muscorum); Foto (c) Jann Wübbenhorst
-->Bilderpaar gleich

Bild 4a: Steinhummel (Bombus lapidarius); Foto (c) Volker Stoeckmann
Bild 4b: Felsen-Kuckuckshummel (Psithyrus rupestris); Foto (c) Peter Reus
--> Bilderpaar nicht gleich

Bild 5a: Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris); Foto (c) Ina Siebert
Bild 5b: Gartenhummel (Bombus hortorum); Foto (c) Andreas Deppermann
--> Bilderpaar nicht gleich

Bild 6a: Keusche Kuckuckshummel (Psithyrus vestalis); Foto (c) Wolfgang Katz
Bild 6b: Keusche Kuckuckshummel (Psithyrus vestalis); Foto (c) Gaby Schulemann-Maier
-->Bilderpaar gleich

Die Bewertung der Hummelvergleichsfragen

Bei den Hummelvergleichsfragen war es nicht möglich, abgestuft zu bewerten. Hier folgten wir diesem Schema:

1 Punkte = richtige Antwort
0 Punkte = falsche oder keine Antwort

Daraus ergibt sich eine mögliche Höchstpunktzahl von 6 für die Umfrageteilnehmer im Hummelvergleichsteil.

Ergebnisse der Teilnehmenden

Insgesamt gab es 10.752 Einsendungen, von denen 10.705 auswertbar waren; das entspricht einem Prozentsatz von 99,6 %. Die Höchstpunktzahl im Artfragenteil von 360 Punkten haben 3 Teilnehmende erreicht. Bei 0 Punkten lag die niedrigste erreichte Leistung, dies betraf einige Teilnehmende, die nur den Hummelvergleichsteil beantwortet hatten. Der Punktdurchschnitt über alle Teilnehmenden betrug 172 (≙ rund 48 % der Gesamtpunktzahl), wobei artungenaues Wissen mit berücksichtigt wurde. Vergleichend haben wir auch nach dem Prinzip "richtig oder falsch" bewertet und entweder 10 oder 0 Punkte vergeben, ohne dazwischen liegende Werte zu berücksichtigen. Hierbei belief sich die durchschnittliche Punktzahl über alle Teilnehmenden lediglich 126 Punkte (≙ 35 % der Gesamtpunktzahl).

--> Die Ergebnisse aus dem Artfragenteil decken sich mit denen der ersten arten|pisa-Umfrage aus dem Jahr 2017, die damit vollumfänglich bestätigt werden konnte.

Die durchschnittliche Punktzahl beim Hummelvergleichstest betrug 3,4 Punkte, also 56,7 % der möglichen Gesamtpunktzahl dieses Teils der Umfrage. Dieses Ergebnis deckt sich mit dem der Studie von Austen et al.

Nicht alle Antwortenden haben Angaben zu ihrem Geschlecht gemacht beziehungsweise diese waren teils nicht plausibel - z. B. wenn ein Alter von weit über 100 Jahren angegeben wurde. Es konnten 9.913 Angaben zum Alter ausgewertet werden, hieraus ergab sich ein Durchschnittsalter von 49,7 Jahren.

9.934 Teilnehmende gaben ihr Geschlecht an (92,8 %), 771 machten hierzu keine Angaben (7,2 %). Weiblich sind 61,4 % der Teilnehmenden mit auswertbaren Einsendungen, männlich 30,8 % und divers 0,6 %.

Einige Ergebnisse rund um Arten(gruppen)

Wie schon in der ersten arten|pisa-Befragung aus dem Jahr 2017 war es auch im Jahr 2019 wieder so, dass Vögel und Pflanzen tendenziell besser bekannt waren als beispielsweise Libellen. In dieser Artengruppe sowie bei weiteren Insekten ist das Artenwissen der Befragten vergleichsweise wenig stark ausgeprägt.

Die Top 5 der besonders häufig richtig benannten Arten und damit die wohl bekanntesten Arten aus dem Umfrage-Set waren:

1. Maulwurf - durchschnittlich 9,8 von 10 Punkten, 10.532 korrekte Nennungen
2. Eisvogel - durchschnittlich 9,3 von 10 Punkten, 9.929 korrekte Nennungen
3. Feldhase - durchschnittlich 8,9 von 10 Punkten, 9.503 korrekte Nennungen
4. Rot-Buche - durchschnittlich 8,7 von 10 Punkten, 9.274 korrekte Nennungen
5. Star - durchschnittlich 8,5 von 10 Punkten, 9.052 korrekte Nennungen

Auffällig ist, dass die Top-5-Arten allesamt aus den Artengruppen Vögel, Säugetiere und Pflanzen stammen.

Die Top 5 der am seltensten richtig benannten und damit die wohl am wenigsten bekanntesten Arten aus dem Umfrage-Set waren:

1. Gefleckter Weidenblattkäfer - durchschnittlich 0,9 von 10 Punkten, 79 korrekte Nennungen
2. Gemeine Eichenschrecke - durchschnittlich 1,1 von 10 Punkten, 95 korrekte Nennungen
3. Karminbär - durchschnittlich 1,4 von 10 Punkten, 99 korrekte Nennungen
4. Gelbe Dungfliege - durchschnittlich 1,5 von 10 Punkten, 125 korrekte Nennungen
5. Großer Fuchs - durchschnittlich 1,6 von 10 Punkten, 336 korrekte Nennungen

Hierbei zeigt sich, das die Top 5 der am wenigsten bekannten Arten ausnahmslos von Insektenarten gebildet wird.

Weiterführende Informationen

Die Auswertung der Ergebnisse dauert derzeit noch an. Bislang wurden erst wenige Ergebnisse öffentlich präsentiert. Es gab allerdings bereits einen Vortrag von Gaby Schulemann-Maier, gehalten am 2. November 2019 in Göttingen anlässlich des 5. NABU|naturgucker-Kongresses:

Hinweis: Sobald es weitere Publikationen über unsere Umfrage gibt, werden wir an dieser Stelle darauf hinweisen und versuchen, sie zugänglich zu machen.

Warum dauert es so lange, bis die persönlichen Ergebnisse kommen?

Am Schluss möchten wir gern noch erklären, weshalb es so lange dauert, bis die persönlichen Ergebnisse verschickt werden.

Es waren 10.705 Datensätze auswertbar. Hierdurch sind allein bei den Artfragen 387.072 Antworten zusammengekommen und bei den Hummel-Vergleichsbildern weitere 64.500! Während der Hummelvergleichstest automatisiert ausgewertet werden konnte, musste beim Artfragenteil überwiegend händisch und durch Menschen ausgewertet werden. Das Auswertungssystem ist sehr komplex und erfordert höchste Konzentration. Diese extrem vielen Antworten zu bewerten, ist also nicht "mal eben" zu erledigen, das braucht seine Zeit. Weiter oben auf dieser Seite haben wir ja bereits erläutert, dass dabei ein komplexer Bewertungsschlüssel zu berücksichtigen war. Hinzu kommt, dass es sehr viele Schreibfehler und Autovervollständigungsfehler von Smartphones gegeben hat - angefangen vom Geldhasen ( = Feldhase) über den Streifenwagen ( = Streifenwanze) bis hin zur Belasse ( = Bekassine). Auch verdrehte Begriffe wie Windbuschröschen anstelle von Busch-Windröschen haben wir in den Antworten sehr häufig gefunden. All dies zusammengenommen macht das Aus- und Bewerten zu einer langwierigen Aufgabe.

Einige Teilnehmer merkten an, dass sie sich wünschen würden, sofort nach dem Absenden anonym ihr Ergebnis mitgeteilt zu bekommen. Das geht aus den gerade genannten Gründen nicht. Es ist technisch nicht möglich, in Echtzeit alle eingesandten Antworten zu bewerten. Auch können wir nicht einfach eine Punktetabelle der anonymisierten Teilnehmer online stellen, wie es von manchen Menschen gewünscht wurde. Da die Befragung anonym durchgeführt wurde, stehen keine individuellen Erkennungsmerkmale zur Verfügung, denen wir die einzelnen Punktzahlen zuordnen und auf einer Website nennen könnten. Es wäre schlichtweg unmöglich, das eigene Ergebnis innerhalb der 10.705 Ergebnisse zu erkennen. Allein dadurch, dass auf freiwilliger Basis die E-Mail-Adresse angegeben wird, ist es möglich, von uns eine Rückmeldung zum individuellen Abschneiden bei der Befragung zu erhalten.