Phänologie: Pflanzenbeobachtungen geben Aufschluss über Jahreszeiten und Klimawandel

(c) Michael Kunde, 2 x Rolf Jantz, Heidi Stoll, Stefan Munzinger, Wolfgang Katz / naturgucker.de

Willkommen bei der Informationssammlung zu unserem Phänologie-Monitoring, das naturgucker.de in Kooperation mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) durchführt.

Bitte klicken Sie auf die folgenden Links, um direkt zu den jeweiligen Details weiter unten auf dieser Seite zu gelangen.

Allgemeines

Einst haben die Menschen die Natur sehr genau beobachtet, um rechtzeitig die Saat auszubringen oder den richtigen Zeitpunkt für die Ernte abzupassen. Wann welche Pflanzen erstmals blühen, war für sie oft wichtiger als ein Kalender. Denn abhängig vom Witterungsgeschehen des jeweiligen Jahres in der betrachteten Region kann der Blühbeginn einer Pflanzenart etwas früher oder später als im durchschnittlichen Mittel stattfinden. Einen fixen, allgemeingültigen Termin gibt es nicht.

Seit einigen Jahren verlagert sich der Beginn der Blütezeit einiger Pflanzen zusehends auf frühere Zeitpunkte im Jahr. So berichtete beispielsweise die SWR-Sendung "Planet Wissen" im März 2014 über das Phänomen der immer früher stattfindenden Apfelblüte. Demnach habe sich der durchschnittliche Blühbeginn innerhalb der vergangenen 30 Jahre um zehn Tage nach vorn verschoben (Quelle). Dies belegt: Wann Pflanzen ihren Blühbeginn haben, ist nicht nur eine Frage des Wetters, sondern auch des Klimas – oder eben des Klimawandels.

Gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) führt naturgucker.de ab 2018 ein Projekt durch, in dessen Rahmen Beobachtungsdaten zu bestimmten Pflanzenarten gesammelt werden sollen. Es geht dabei um die Phänologie, also um die im Jahresverlauf auftretenden Wachstums- und Entwicklungserscheinungen dieser Pflanzen. Hierbei wird das Jahr nicht nur in vier Jahreszeiten unterteilt, sondern in deutlich feiner abgestufte phänologische Jahreszeiten. Jede dieser phänologischen Jahreszeiten wird durch eine sogenannte Leitphase eröffnet, also zum Beispiel der Vorfrühling durch die Blüte der Gemeinen Hasel, siehe hierzu auch der Beitrag "Die phänologische Uhr" des DWD.

Wer sich an unserem Phänologie-Monitoring beteiligen und Beobachtungsdaten – am besten immer aufgewertet mit Belegbildern - melden möchte, den bitten wir darum, die Aufmerksamkeit auf bestimmte Aspekte bezüglich der Zielarten zu lenken, die wir weiter unten erläutern. Denn damit sich eine homogene phänologische Datensammlung ergibt, sollten alle Beobachter dieselben Details im Blick behalten. Freilich können Sie darüber hinaus alle weiteren Beobachtungen ebenfalls auf naturgucker.de dokumentieren, also wenn Sie beispielsweise draußen auch Singvögel oder Schmetterlinge gesehen haben. Hier finden Sie einen Hintergrundbeitrag zum Thema "Welche Beobachtungen sollte man melden?".

 

Aufgabe Spätherbst

Als Spätherbst wird diejenige Zeit des Jahres bezeichnet, in der der Herbst sehr weit fortgeschritten ist. Zahlreiche sommergrüne Bäume und Sträucher zeigen verfärbtes Laub und werfen es ab. Meteorologen, die den Beginn dieser phänologischen Jahreszeit erforschen, konzentrieren sich hierbei insbesondere auf eine Art, die wir deshalb auch in das Monitoring mit aufgenommen haben, das naturgucker.de gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) durchführt. Wir möchten Sie darum bitte, Ihre Sichtungen der unten aufgeführten Pflanzenart in der entsprechenden Vegetationsphase auf naturgucker.de zu melden:

 

  1. Eberesche (Blattfall, 50 % gefallen)

Die Eberesche wird im Volksmund auch als Vogelbeerbaum bezeichnet. Bitte tragen Sie unter "-beobachtungen-" beim Melden Ihrer Beobachtungen "50 % der Blätter gefallen" ein.

Mehr Details zur oben genannten Pflanzenart finden Sie unter "Artbeschreibungen".

 

Aufgabe Winter

Aus Sicht er Meteorologen beginnt der Winter, wenn bestimmte Baumarten ihre Blätter abwerfen. Es handelt sich dabei um Bäume, die relativ spät ihr Laub abwerfen, andere Arten sind zu der Zeit oft bereits vollständig blattlos. Stellvertretend für den Beginn dieser phänologischen Jahreszeit sind der Blattfall der Stiel-Eiche (Quercus robur), des spätreifenden Kultur-Apfels (Malus domestica) und der Europäischen Lärche (Larix decidua). In dem Monitoring, das naturgucker.de gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD) durchführt, soll der Beginn des Winters durch Beobachter erfasst werden. Wir möchten Sie deshalb darum bitte, Ihre Sichtungen der unten aufgeführten Pflanzenart in der entsprechenden Vegetationsphase auf naturgucker.de zu melden:

 

  1. Apfel, spätreifend (Blattfall, 50 % gefallen)

Bitte tragen Sie unter "-beobachtungen-" beim Melden Ihrer Sichtungen "50 % der Blätter gefallen" ein.

Mehr Details zur oben genannten Pflanzenart finden Sie unter "Artbeschreibungen".

 

 

Beobachtungen Dokumentieren

Am besten dokumentieren Sie Ihre Beobachtungen mit entsprechenden Bildern. Wer Meldungen in Rheinland-Pfalz macht, sollte neben der Gebietsangabe auch eine Punktverortung vornehmen, damit die punktgenauen Beobachtungsdaten später dem ArtenFinder zur Verfügung gestellt werden können.

Gerne können Sie außerdem Fotos anderer Arten hochladen und bei Bedarf Bestimmungshilfen durch die Fachbeiräte oder andere Nutzer von naturgucker.de in Anspruch nehmen. Probieren Sie es aus!

Zum Melden Ihrer Beobachtungen müssen Sie übrigens entweder bei naturgucker.de registriert sein oder Sie können diesen

verwenden. Für das Melden von Beobachtungen über diesen Link müssen Sie bei naturgucker.de nicht einmal angemeldet sein.

Wenn Sie auf eines der Bilder der in dem Formular aufgeführten Arten klicken, öffnet sich ein Fenster, in dem Sie alle auf naturgucker.de vorliegenden bestimmungsrelevanten Fotos der jeweiligen Art sehen. Somit haben Sie die Möglichkeit, Bildmaterial anzuschauen, das Ihnen typische Merkmale der Pflanzenarten zeigt.

Detaillierte Hilfestellungen zur Bedienung des Meldeformulars finden Sie hier.

 

Projektlaufzeit

Da der Fokus auf mehreren Pflanzenarten und unterschiedlichen Vegetationsphasen liegt, erstreckt sich die Laufzeit des Phänologie-Monitorings von naturgucker.de und des DWD praktisch über das gesamte Jahr. Oft können die ersten Arten bereits im Januar beobachtet werden, die letzten sind bis in den November oder Dezember hinein in der entsprechenden Phase zu sehen. Sie können mit Ihren Beobachtungen also während des gesamten Jahres einen Beitrag zu dem Monitoring leisten.

Hier finden Sie eine Gesamtübersicht aller Zielarten und Vegetationsphasen unseres Phänologie-Monitorings:

Phänologische Jahreszeit Art(en)
Vorfrühling 1. Hasel (Blühbeginn)
2. Schneeglöckchen (Blühbeginn)
3. Sal-Weide (Blühbeginn, gelbe Staubbeutel sichtbar)
Erstfrühling 1. Forsythie (Blühbeginn)
2. Scharbockskraut (Blüte)
Vollfrühling 1. Kultur-Apfel (Blühbeginn)
2. Bär-Lauch (Blüte)
Frühsommer 1. Schwarzer Holunder (Blühbeginn, erste Dolde zur Hälfte aufgeblüht)
2. Eberesche (Blühbeginn)
Hochsommer 1. Rote Johannisbeere (erste Früchte reif)
2. Wilde Karde (Blüte)
Spätsommer 1. Apfel, frühreifend (erste Früchte reif, erstes Durchpflücken lohnt sich)
2. Eberesche (erste Früchte voll ausgefärbt)
Frühherbst 1. Schwarzer Holunder (erste Früchte voll ausgefärbt)
Vollherbst 1. Rosskastanie (erste Früchte fallen herunter)
Spätherbst 1. Eberesche (Blattfall, 50 % gefallen)
Winter 1. Apfel, spätreifend (Blattfall, 50 % gefallen)

Hinweis: Grundsätzlich sind all Ihre Beobachtungen – auch von Arten, die nicht im Fokus des Monitorings stehen – rund ums Jahr auf naturgucker.de sehr willkommen.

 

 

Artbeschreibungen

Gelbe Blätter der Eberesche, (c) Rolf Jantz/naturgucker.de
Gelbe Blätter der Eberesche, (c) Rolf Jantz/naturgucker.de
Herbstlaub der Eberesche, (c) Hubertus Schwarzentraub/naturgucker.de
Herbstlaub der Eberesche, (c) Hubertus Schwarzentraub/naturgucker.de

Eberesche (Sorbus aucuparia)

Die Eberesche, die volkstümlich vor allem als Vogelbeerbaum bekannt ist, wächst zu bis zu 15 m hohen Bäumen heran. Sie sind sommergrün und haben wechselständig an den Zweigen angeordnete Laubblätter. Diese sind circa 20 cm lang und rund 8 – 11 cm breit. Ihre unpaarig gefiederte Blattspreite besteht in aller Regel aus 9 bis 19 länglich-elliptischen Blattfiedern. Sie sind etwa 4 – 6 cm lang und circa 2 cm breit.

Von Mai bis Juli dauert die Blütezeit der Eberesche. Circa 200 – 300 weiße Einzelblüten stehen zusammen in einer breiten Schirmrispe. Etwa 10 mm sind die einzelnen Blüten im Durchmesser groß. Nach der Befruchtung bilden sich die Früchte der Eberesche, die wegen ihrer großen Beliebtheit bei vielen heimischen Wildvögeln als Vogelbeeren bezeichnet werden. Von August bis September findet die Fruchtreife statt; reife Früchte sind rot gefärbt und im Durchmesser circa 1 cm groß. Im späten Herbst wirft die Eberesche wie andere sommergrüne Laubbäume ihre Blätter ab. Der Zeitpunkt, wenn ein Baum rund 50 % der Blätter abgeworfen hat, ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass der Spätherbst begonnen hat.

 

Artporträt auf naturgucker.de

 

 

 

(c) Carolin Zimmermann/naturgucker.de
(c) Carolin Zimmermann/naturgucker.de
(c) Maike Sprengel-Krause/naturgucker.de
(c) Maike Sprengel-Krause/naturgucker.de

Kultur-Apfel (Malus domestica)

 

Der Kultur-Apfel gehört in Deutschland zu den wichtigsten Kultur-Pflanzen, da seine Früchte – die Äpfel – als Nahrung ausgesprochen beliebt sind. Deshalb hat der Kultur-Apfel auch eine große wirtschaftliche Bedeutung.

Apfelbäume sind sommergrün und sie können 8 bis 15 Meter hoch werden. Ihre Krone ist oft recht breit, sofern die Bäume im Freiland stehen. Kommerziell genutzte Apfelbäume können in ihrem Aussehen stark von der zuvor beschriebenen Form abweichen und kleiner sein sowie über eine weniger stark ausladende Krone verfügen.

Die Blüten stehen einzeln oder in doldigen Schirmrispen und ihre fünf Kronblätter sind weiß oder leicht rosa gefärbt; Blütenknospen sind immer relativ stark rötlich. Für Bienen sind Apfelblüten sehr attraktiv.

Wie zahlreiche anderen Baumarten werfen Apfelbäume ihr Laub zum Winter hin ab. Der Blattfall des spätreifenden Apfels ist für Meteorologen ein wichtiger Zeiger für den Beginn des phänologischen Winters. Meist werfen spätreifende Kulturäpfel ihr Laub im November ab, der Blattfall kann auch schon im Oktober beginnen.

 

Artporträt auf naturgucker.de

 

 

 

naturgucker.de Monitoring
Deutscher Wetterdienst (DWD)