Überwinternd – geschlüpft – zugewandert

(c) Bernhard Kelz, Herbert Fuchs, Helmut Arenz, Hannelore Müller-Scherz, Heidi Stoll / naturgucker.de

Unsere heimischen Schmetterlinge sind in jedem Stadium ihrer faszinierenden Entwicklung (Ei, Raupe, Puppe, Falter) an häufig sehr spezifische Umweltbedingungen gebunden: Für die Eiablage und als Nahrungsquelle für die Raupen ist beispielsweise das Vorkommen bestimmter Pflanzenarten unabdingbar.

Bei der Überwinterung in Mitteleuropa verfolgen als wechselwarme Tiere nicht alle Tagfalter dieselbe Strategie: Diese häufig harte Phase kann als Ei, als Raupe, als Puppe oder als fertiger Falter überstanden werden. Es ist leicht verständlich, dass dieser komplizierte Lebensprozess relativ sensibel auf vergleichsweise geringe Veränderungen der Umweltbedingungen reagiert. Zahlreiche unserer heimischen Schmetterlingsarten erscheinen daher bereits auf der Roten Liste der bedrohten Arten.

Schmetterlinge werden vor diesem Hintergrund als herausragende Bioindikatoren angesehen. Sie signalisieren uns aufgrund ihrer Empfindlichkeit ausgeprägt die Veränderung der Qualität der Lebensraumbedingungen. Je nach Falterart und Stabilität der Populationen, können dadurch Erkenntnisse im Hinblick auf das Funktionieren bzw. die Beeinträchtigung relevanter Ökosysteme und deren Vernetzung gewonnen werden. Veränderungen des Klimas lassen sich beispielsweise am geänderten Flugzeit- oder Überwinterungsverhalten ablesen.

Durch langfristige Schmetterlingsbeobachtungen sowie deren systematische Erfassung und vergleichende Auswertung über Jahre hinweg, können diese Veränderungen sichtbar gemacht werden. Wir möchten dazu das besondere Monitoring-Potenzial von naturgucker.de für diesen Zweck aktivieren und nicht nur die Schmetterlingsfreunde, sondern insbesondere auch diejenigen Naturgucker gezielt ansprechen, die beispielsweise bisher ausschließlich das "Vogelgucken" betrieben haben.

Die Schmetterlingswelt ebenfalls in das Blickfeld zu nehmen, hat nicht nur seinen eigenen Reiz, sondern kann in vielen Fällen darüber hinaus dabei helfen, die Bedeutung der Schmetterlinge und ihrer Lebensräume als Nahrungsgrundlagen der beobachteten Vogelarten besser kennenzulernen sowie die Auswirkungen von deren Wandlung auf die Vogelwelt wiederum besser zu erfassen und zu verstehen. So ist es beispielsweise wichtig, die durch den Klimawandel bedingten Veränderungen von Flug- und Raupenzeiten der Schmetterlinge in Europa in ihren Wirkungen auf die Jungenaufzucht von Zugvögeln genauer zu erforschen.

 

 

Artenauswahl


Drei der für das Monitoring "Frühe Falter" ausgewählten Schmetterlingsarten kann man aufgrund ihres verbreiteten Vorkommens zwar gegenwärtig noch in die Kategorie "Allerweltsarten" einordnen. Aber es ist beachtenswert, dass die rheinland-pfälzische Umweltministerin Höfken im April 2014 mit Sorge berichtete: "Zitronenfalter, Kleiner Fuchs und Admiral werden immer seltener." Daher möchten wir diese drei Arten in das Monitoring einbeziehen, um die weitere Entwicklung mit Ihrer Hilfe genauer zu dokumentieren und zu analysieren.

Der Aurorafalter lebt auf mageren und trockenen Wiesenbereichen, auch auf Feuchtwiesen sowie in lichten und feuchten Wäldern. Die Art hat im Zuge intensivierter Industrialisierung der Landwirtschaft und der Umwandlung von Wiesen in Ackerland in Mitteleuropa bereits viele Biotope verloren. Obwohl damit die Bestände mancherorts deutlich zurückgegangen sind, gilt der Schmetterling bislang noch nicht als gefährdet. Gleichwohl ist auch für diese Art ein Monitoring wichtig, um die Entwicklung genauer im Blick zu behalten.

Mit dem Trauermantel haben wir eine Art ausgewählt, die noch in den 1950er Jahren in Deutschland recht weit verbreitet war, aber seitdem nur noch regional und vereinzelt erscheint. Über die Ursachen wird in der Wissenschaft noch diskutiert. Gerade aus diesem Grund sind aber die Dokumentation und die fortgesetzte Analyse der Entwicklung wichtig.

Alle Arten sind zudem aussagekräftige Indikatoren, wenn es um die Dokumentation von Auswirkungen des globalen Klimawandels in Deutschland geht.

Ihre Aufgabe


Artenkenntnis ist natürlich auch in diesem Zusammenhang wichtig. Das Monitoring-Projekt "Frühe Falter" bietet Ihnen dafür eine gute Einstiegsmöglichkeit mit einem bewusst relativ einfach erfassbaren Artenspektrum: Wir haben für Sie fünf Schmetterlingsarten ausgewählt, die bereits im zeitigen Frühling fliegen, wenn noch nicht viele andere Insekten in der Natur unterwegs sind. Hierdurch fallen sie besonders leicht auf. Vier dieser Arten haben den Winter als fertig entwickelter Falter überlebt, eine Art als Puppe. 

Melden Sie möglichst alle Sichtungen zu den folgenden fünf Arten in naturgucker.de oder NABU-naturgucker.de.

Tipp: Sofern Sie es wünschen, können Sie auch alternativ unser

bebildertes Meldeformular

für die Eingabe verwenden. Dafür müssen Sie bei naturgucker.de nicht einmal angemeldet sein.

Wenn Sie auf eines der Bilder der in dem Formular aufgeführten Arten klicken, öffnet sich ein Fenster, in dem Sie alle auf naturgucker.de vorliegenden bestimmungsrelevanten Fotos der jeweiligen Art sehen. Somit haben Sie die Möglichkeit, Bildmaterial anzuschauen, das Ihnen typische Merkmale der Schmetterlingsarten zeigt.

Detaillierte Hilfestellungen zur Bedienung des Meldeformulars finden Sie hier.

Versehen Sie Ihre Beobachtungsmeldungen bitte mit möglichst genauen Angaben zu Anzahl, Zustand der Flügel (frisch geschlüpft / abgeflogen) und den Beobachtungsbedingungen mit Temperatur, Wetter etc. Wenn es möglich ist, melden Sie bitte auch die Pflanzenarten, an denen Sie die Falter beobachtet haben. Gerne können Sie darüber hinaus Fotos hochladen und Bestimmungshilfen durch die Fachbeiräte oder andere Nutzer von naturgucker.de in Anspruch nehmen. Probieren Sie es aus!

 

Projektlaufzeit

In den Monaten (02) - 03 / 04 (05).

Artbeschreibungen

  

(c) Bernhard Kelz / naturgucker.de
(c) Steffen Marberg / naturgucker.de

Zitronenfalter (Gonepterix rhamni)

 

Die Art gehört zur Familie Weißlinge und überwintert als Falter. Sie ist nicht mehr überall häufig. Ihre Flugzeit der überwinternden Falter ist im im Frühjahr von März bis Mai, ab Juni tritt eine weitere Generation auf.

Der Zitronenfalter ist ein großer, auffälliger tagaktiver Schmetterling und einer der Falter, die bei uns als erwachsenes Tier (Imago) im Freiland überwintern. Er ist deshalb mitunter sogar an warmen Wintertagen bereits im Februar unterwegs.

Die Männchen sind aufgrund der zitronengelben Färbung und der Ausbuchtung an den Hinterflügeln eigentlich unverwechselbar. Später im Jahr könnten sie mit den ebenfalls gelb gefärbten Heufaltern (Colias myrmidone) verwechselt werden. Diese sind jedoch deutlich kleiner und im Farbton eher warm, mit einem Einschlag von Orange. 

Die Weibchen des Zitronenfalters sind deutlich fahler und können im Sommer schon einmal mit einem etwas gelblich getönten Kohlweißling (Pieris) verwechselt werden. Diese haben aber immer mehr oder minder große schwarze Ecken auf den Vorderflügeln, die beim Zitronenfalter nie zu beobachten sind.

 

Artporträt auf naturgucker.de

 

 

 

 

 

(c) Herbert Fuchs / naturgucker.de
(c) Herbert Fuchs / naturgucker.de

Kleiner Fuchs (Aglais urticae)

 

Er gehört zur Familie der Edelfalter und überwintert als Falter. Die Art ist meist häufig, die Überwinterer haben ihre Flugzeit im Frühjahr im März und April. Danach treten weitere Generationen auf.

Der Kleine Fuchs ist ein mittelgroßer Falter mit einer charakteristischen schwarz- rotbraunen Zeichnung der Flügeloberseite. Am Rand (= marginal) sind besonders im frischen Zustand einzelne himmelblau gefärbte Zellen erkennbar. Auf den Vorderflügeln gibt es vorne charakteristische weiße Flecken. Die Hinterflügel sind zum Körper hin zumeist dunkelbraun und erscheinen in frischem Zustand bei einigen Individuen schwärzlich.

Der Kleine Fuchs kann eigentlich nur mit Großen Fuchs (Nymphalis polychlorus) verwechselt werden. Dieser hat aber nicht die beschriebene dunkle Färbung der Hinterflügel und ist größer (nomen est omen). Zudem finden sich die blauen Randflecken nur auf den Hinterflügeln. Grundsätzlich kommt für eine Verwechslung auch der C-Falter (Polygonia c-album) in Frage, der aber typischerweise stark gebuchtete Flügelränder aufweist.

Der Kleine Fuchs überwintert als adultes Tier an geschützten Orten wie zum Beispiel in Kellern, auf Dachböden, in Garagen oder auch in natürlichen Verstecken. Er kann deshalb bereits an ersten wärmeren Tagen nach dem Winter oder sogar auch im Winter gesehen werden. In milden Wintern gibt es durchgängig Beobachtungen.

 

Artporträt auf naturgucker.de 

 

 

 

(c) Helmut Arenz / naturgucker.de
(c) Jessica Dietrich / naturgucker.de

Aurorafalter (Anthocharis cardamines)

 

Gehört zur Familie der Weißlinge und überwintert als Puppe. Die Art ist verbreitet, allerdings nur in bestimmten Habitaten. Ihre Flugzeit im Frühjahr dauert von März bis Ende Mai. 

Der Aurorafalter ist ein eher kleiner Falter, er ist unter den in diesem Monitoring anvisierten Arten die kleinste. Wegen seiner Zugehörigkeit zur Familie der Weißlinge sind seine Flügel oberseits weiß. Die Männchen haben vorne auffällige orangefarbene Flügelecken, die den Weibchen fehlen. Beide Geschlechter lassen sich anhand der Flügelunterseite mit ihrem gelb-grauen Muster sicher bestimmen.

Eine gewisse Verwechslungsgefahr besteht mit anderen Weißlingsarten.

Der Aurorafalter überwintert als Puppe und schlüpft ab Anfang/Mitte März. Die Raupe frisst bevorzugt auf Schaumkräutern der Gattung Cardamine.

 

Artporträt auf naturgucker.de

 

 

 

(c) Hannelore Müller-Scherz
(c) Jürgen Podgorski

Admiral (Vanessa atalanta)

 

Mitglied der Familie der Edelfalter, vereinzelte Überwinterung als Falter, aber meist Zuwanderung aus Südeuropa. Die Flugzeit im Frühjahr beginnt im März, die Tiere sind dann aber noch selten zu finden.

Der Admiral ist ein großer, auffälliger, schwarz-braun, weiß und rot gefärbter Falter. Mit seinem nächsten Verwandten, dem Distelfalter (Vanessa cardui), ist er nicht zu verwechseln. Letzterer hat ein eher hellbraunes Erscheinungsbild, während die Grundfarbe des Admirals klar schwarz-braun ist.

Der Admiral ist ein Wanderfalter, der im Herbst ins Mittelmeergebiet zieht und dort überwintert. Im Frühjahr wandert er dann wieder in den Norden zu uns. Es gibt mittlerweile allerdings bereits einige Beobachtungen, die belegen, dass die Art bei uns als erwachsener Falter und wahrscheinlich auch als Raupe erfolgreich den Winter übersteht.

 

Artporträt auf naturgucker.de

 

 

 

(c) Heidi Stoll / naturgucker.de
(c) Wolfgang Katz / naturgucker.de

Trauermantel (Nymphalis antiopa)

 

Gehört zur Familie der Edelfalter und überwintert als Falter. Die Art ist selten, ihre Flugzeit beginnt im Frühjahr ab März. 

Der Trauermantel ist ein sehr großer und selbst für Einsteiger ein völlig unverwechselbarer Falter. Er ist bis über sieben Zentimeter groß, und hauptsächlich schwarz-braun gefärbt. Um die Flügelränder läuft ein hellgelbes Band, an das sich nach innen blaue Flecken anschließen (Postdiskalflecke). Nach der Überwinterung ist das Gelb oft stark verblasst.

Ehemals in Deutschland weit verbreitet, ist der Trauermantel heute nur noch vereinzelt zu finden. Aktuell kommt er vor allem in montanen Gebieten wie dem Schwarzwald sowie in Bereichen im Osten Deutschlands vor. Eine Sichtung ist in jedem Fall etwas Besonderes!

 

Artporträt auf naturgucker.de