erst zaghaft, dann fast explosiv

(c) Wolfgang Katz, Hans Schwarting, Jörg Chmill, Wolfgang Katz, Monika und Günther Kainz, Magaret Röker

Die Beachtung dieser Blühphänomene hat in vielen Fällen eine uralte Tradition. Sie spiegelt und bündelt sich zum Teil in Feierlichkeiten wie den Mandelblüten-, Kirschblüten- oder Lindenblüten-Festen, welche bei uns und in aller Welt begangen werden. Diese Feste stehen inzwischen zunehmend vor dem Problem, dass die traditionellen Termine oft nicht mehr mit den tatsächlichen Blüh-Ereignissen übereinstimmen. Die Blühtermine haben sich offensichtlich in vielen Fällen verändert.

Seit weit über 100 Jahren wird in Deutschland das Auftreten der ersten Blüten ausgewählter Pflanzenarten notiert. Ein typisches Beispiel dafür ist die Apfelblüte. Auf Basis dieser Daten lassen sich die Jahre in zehn begründete phänologische Jahreszeiten unterteilen. So können die Jahreszeiten in ihrem Auftreten in unterschiedlichen Regionen - beispielsweise in den Alpen, der Rheinebene und in der norddeutschen Tiefenebene - miteinander in Bezug gesetzt werden.

Den beschreibenden Forschungszweig, der sich mit den Zusammenhängen zwischen regionalen Klimabedingungen und den entsprechenden Blütezeiten einzelner Pflanzenarten beschäftigt, nennt man Phänologie. Grundlegend wichtig für verlässliche („belastbare“) Aussagen in diesem Bereich sind möglichst viele Daten, verteilt über Raum und Zeit. Denn: „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ wie der Volksmund zu recht (aus Erfahrung) feststellt.

monitoring frühblüher


In diesem und den folgenden Jahren soll zu Beginn des Jahres die Aufmerksamkeit der naturgucker-Gemeinschaft auf die Frühblüher, die das Frühjahr und damit die neue Vegetationszeit einleiten, gerichtet werden. Die Frühblüher sind in mehrfacher Hinsicht interessant und für phänologische Fragestellungen gut geeignet. Nach den grauen und oft dunklen Wintermonaten werden die ersten Frühlingsboten meist besonders intensiv wahrgenommen.

Das hat mehrere Gründe. Sicher fallen die ersten Blüten in einer weitgehend kahlen Landschaft stärker auf als im blütenreichen Frühsommer. Wohl auch deshalb liegen zu den Frühlingsboten recht viele (historische) Angaben zum Blühbeginn einzelner Pflanzenarten vor. Gerade im Vergleich mit älteren phänologischen Angaben lassen sich einerseits ungewöhnliche Blühtermine (bei einmaligen Ereignissen) wie auch grundlegende Veränderungen (bei regelmäßigen Ereignissen) erkennen. Der Frühlingsbeginn ist nicht zuletzt auch für die Landwirtschaft bedeutsam, ist er doch maßgeblich mit derLänge der Vegetationszeit verknüpft.

Tatsächlich sind einige der bekanntesten Frühblüher ausgesprochene Waldarten. Dort, wo sie vorkommen, wachsen sie meist in großer Zahl. Dadurch fallen sie noch stärker auf. Im Wald herrscht ein vergleichsweise ausgeglichenes Mikroklima. So sind die Daten verlässlicher zu interpretieren als von Pflanzenbeständen auf Sonderstandorten. Darüber hinaus sind Waldflächen meist beständiger als z.B. viele innerstädtische Biotope. Vergleiche über längere Zeiträume sind dadurch eher möglich. Die ausgewählten Arten dürften an vielen Stellen schon im März, in Einzelfällen sogar schon im Februar blühend angetroffen werden. Dies war ebenfalls ein entscheidendes Auswahlkriterium.

Alle Arten sind zudem aussagekräftige Indikatoren, wenn es um die Dokumentation von Auswirkungen des globalen Klimawandels in Deutschland geht.

Dieses Monitoring führen wir zusammen mit unserem Partner Artenfinder durch, der sich intensiv um das Bundesland Rheinland-Pfalz kümmert. Ziel ist es, die gesammelten Daten gemeinsam auszuwerten und so zu deutschlandweiten Aussagen zu gelangen. Daten aus Rheinland-Pfalz können von jedem Beobachter über die Exportschnittstelle aus naturgucker.de / nabu-naturgucker.de an den Artenfinder übertragen werden, wenn sie exakte Punktverortungen haben.

Ihre aufgabe


Artenkenntnis ist natürlich auch in diesem Zusammenhang wichtig. Das Monitoring-Projekt "frühe blüher" bietet Ihnen dafür eine gute Einstiegsmöglichkeit mit einem bewusst relativ einfach erfassbaren Artenspektrum: Wir haben für Sie elf Pflanzenarten ausgewählt, die bereits im zeitigen Frühling blühen. Dadurch sind sie auch recht auffallend.

Melden Sie möglichst alle Sichtungen zu den weiter unten aufgeführten Arten  in naturgucker.de oder NABU-naturgucker.de.

#1
Besonders wichtig, wenn es um die Phänologie geht, sind ersten blühenden Individuen an einem Wuchsort.

#2
Eine zweite Meldung zur sogenannten Vollblüte, wenn also fast alle Individuen in Blüte stehen, ist ebenfalls wichtig.

Am besten dokumentieren Sie beide Beobachtungen mit entsprechenden Bildern. Wer Meldungen in Rheinland-Pfalz macht, sollte neben der Gebietsangabe auch eine Punktverortung vornehmen, damit die punktgenauen Beobachtungsdaten später auch dem Artenfinder zur Verfügung gestellt werden können.

Gerne können Sie auch Fotos hochladen und Bestimmungshilfen durch die Fachbeiräte oder andere naturgucker in Anspruch nehmen. Probieren Sie es aus!

Zum Melden müssen Sie entweder bei naturgucker.de registriert sein oder diesen

Direktmeldelink

verwenden.

Tipp: Sofern Sie es wünschen, können Sie auch alternativ unser

bebildertes Meldeformular

für die Eingabe verwenden. Dafür müssen Sie bei naturgucker.de nicht einmal angemeldet sein.

Wenn Sie auf eines der Bilder der dort aufgeführten Arten klicken, öffnet sich ein Fenster, in dem Sie alle auf naturgucker.de vorliegenden bestimmungsrelevanten Fotos sehen. Somit haben Sie die Möglichkeit, Bildmaterial anzuschauen, das Ihnen typische Merkmale der jeweiligen Pflanzenart zeigt.

Detaillierte Hilfestellungen zur Bedienung des Meldeformulars finden Sie hier.

 

projektlaufzeit

dauerhaft, in den Monaten 02 - 04 - (05)

artbeschreibungen

(c) Wolfgang Omert
(c) Margret Röcker

Märzenbecher (Leucojum vernum)

 

Der Märzenbecher, allgemein weniger bekannt unter dem Namen Frühlings-Knotenblume, kann an manchen Stellen schon im Februar blühend angetroffen werden. Auch wenn er als Zierpflanze kultiviert wird, so zählt er doch zur heimischen Flora. Seine natürlichen Vorkommen finden sich in Wäldern auf sickerfeuchten, nährstoffreichen und tiefgründigen Böden, wie z.B. in Eichen-Hainbuchen- und Bachauenwäldern.

Neben der heimischen Frühlings-Knotenblume verwildert manchmal auch die Sommer-Knotenblume (Leucojum aestivum). Sie hat pro Blütenstängel 3-7. statt 1-2 Blüten. Trotz ihres deutschen Namens blüht auch sie im Frühjahr.

Artporträt auf naturgucker.de

 

 

(c) Sabine Hodges
(c) Wolfgang Katz

Zweiblättriger Blaustern (Scilla bifolia)

 

Im Unterschied zu den meisten anderen Frühblühern, die wir hier vorstellen, ist der Zweiblättrige Blaustern keine “Allerweltsart“. Seine Hauptverbreitung hat er einerseits in den Auenwäldern, andererseits in krautreichen Buchen- und Eichenwäldern.

Zu verwechseln ist das Zwiebelgewächs mit den zierlichen, sternförmig ausgebildeten Blüten(Perigon)blättern und den beiden länglich-lanzettlichen Blättern auch aufgrund der frühen Blütezeit (ab Ende Februar) mit keiner anderen heimischen Art.

Im Umfeld der Städte und Siedlungen können aber weitere verwandte Zierarten (Scilla siberica, Chionodoxa-Arten) auftreten. Deshalb sollten nur Beobachtungen aus der freien Landschaft gemeldet werden.

Artporträt auf naturgucker.de

 

 

(c) Wolfgang Katz
(c) Cedric Kleinert

Scharbockskraut (Ranunculus ficaria)

 

Das Scharbockskraut wächst von Natur aus häufig und oft zahlreich in Auenwäldern und krautreichen Laubmischwäldern. Daneben tritt es aber auch regelmäßig in den Grünanlagen der Städte und Siedlungen auf, bevorzugt an schattigen bis halbschattiger Standorten, wie z.B. unten altem Baumbestand oder im Heckenbereich.

Die Art ist nicht zuletzt aufgrund ihrer frühen Blütezeit (ab März) eigentlich unverwechselbar. Die gelben Blüten ähneln denen der nah verwandten Hahnenfuß-(Ranunculus-)Arten. Von diesen unterscheidet sie sich schon im Habitus durch ihre ungeteilten, rundlich-herzförmigen, meist glänzenden Laubblättern, ihrer geringen Wuchshöhe und dem meisten rasenförmigen, das heißt den Boden bedeckenden Wuchs.

Artporträt auf naturgucker.de

 

 

(c) Jörg Chmill
(c) Hans Schwarting

Busch-Windröschen (Anemone nemorosa)

 

Das Busch-Windröschen zählt ohne Zweifel zu den bekannteren Waldpflanzen. Das hängt sicher auch mit der weiten Verbreitung der Art zusammen. Sie wächst in den verschiedensten Laub-(und Nadel-)Wäldern, auf frischeren Standorten, wie z.B. in den Auenwäldern,  oft zusammen mit dem Scharbockskraut.

Die Art ist eigentlich unverwechselbar. Die nächstverwandten heimischen Arten unterscheiden sich entweder in der Blütenfarbe (Gelbes Windröschen -Anemone ranunculoides) oder durch die äußerlich behaarten Blüten(Perigon)blätter (Großes Windröschen - Anemone sylvestris)

Das Busch-Windröschen kann ab März blühend angetroffen werden.

Artporträt auf naturgucker.de

 

 

(c) Dieter Gschwend
(c) Wolfgang Katz
(c) Hans Schwarting

Hohler Lerchensporn (Corydalis cava) und
Gefingerter Lerchensporn (Corydalis solida)

 

In unseren krautreichen Laubwäldern und manchmal auch in unseren größeren Parkanlagen können zwei meist (hell- bis dunkel)lilablütige Lerchensporn-Arten angetroffen werden. (Weitere Arten blühen grundsätzlich weiß- oder gelblich.)

Wichtigstes oberirdisches Unterscheidungsmerkmal ist die Form des Hoch-(Trag-)Blattes unterhalb des Blütenstandes:

  • Beim Hohlen Lerchensporn ist das Hochblatt zumeist ganzrandig, beim Gefingerten Lerchensporn fingerförmig eingeschnitten.
  • Der Gefingerte Lerchensporn blüht zudem meist etwas früher als der Hohle Lerchensporn.

Meist treten beide Arten gesellig, zumindest truppweise auf.

Artporträt Hohler Lerchensporn auf naturgucker.de

Artporträt Gefingerter Lerchensporn auf naturgucker.de

 

 

(c) Monika und Günther Kainz
(c) Wolfgang Omert

Hohe Schlüsselblume (Primula elatior) und
Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris)

 

Die beiden häufigsten heimischen Schlüsselblumen sind die Hohe Schlüsselblume (Primula elatior) und die Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris).

Beide Arten besiedeln unterschiedliche Standorte. Aufgrund ihres etwas geringeren Lichtbedürfnisses findet man die Hohe Schlüsselblume eher in Wäldern als die Wiesen-Schlüsselblume, die vorranig im Offenland auftritt. Da es bekanntlich auch lichte Wälder und Waldwiesen gibt, ist der Wuchsort allein für eine Artansprache nicht ausreichend.

Die Hohe Schlüsselblume unterscheidet sich von der Wiesen-Schlüsselblume vor allem durch ihre helleren Blüten, den enger anliegenden Blütenkelch und eine meist abstehendere Behaarung des Stängels.

Artporträt Hohe Schlüsselblume auf naturgucker.de

Artporträt Wiesen-Schlüsselblume auf naturgucker.de

 

 

(c) Regine Schulz
(c) Rolf T. Borlinghaus

Leberblümchen (Hepatica nobilis)

 

Das Leberblümchen ist von allen hier ausgewählten Frühblühern die seltenste Art bei uns. Eine gewisse Ähnlichkeit haben die bläulichen Blütenblätter mit den Buschwindröschen. (Wie bei diesen fehlen die Hüllblätter, weshalb man botanisch von Perigonblättern spricht.)

Auffällig und unverwechsebar sind die im Umriss dreieckigen, dreiteilig eingeschnitten Laubblätter, die sogar überwintern.

Blühende Individuen können schon Ende Februar angetroffen werden.

Artporträt auf naturgucker.de

 

 

 

(c) Monika und Günther Kainz
(c) Monika und Günther Kainz

Wald-Gelbstern (Gagea lutea)

 

Bei uns kommt eine Reihe von Gelb- oder Goldstern-Arten vor, die auf den ersten Blick nicht immer einfach voneinander zu unterscheiden sind. Zwei Arten unterscheiden sich von den übrigen kahlen durch die Behaarung ihres Stängels und Blütenstiels, die häufigere davon ist der Acker-Gelbstern (Gagea arvensis).

Der Wald-Gelbstern, auf den Sie achten sollen, ist hingegen unbehaart. Kennzeichen sind ein Grundblatt und vor allem die kapuzenartige Spitze der Laubblätter, die ihn eindeutig vom Wiesen-Gelbstern (Gagea pratensis) unterscheidet. Die Blätter zwischen (4)-6-12 mm breit und gekielt sind

Aufgrund der schmal-lanzettlichen Blätter fallen die Gelbsterne nur im blühenden Zustand auf. Die Hauptblütezeit liegt im März bis April

Artporträt auf naturgucker.de

 

 

 

(c) Rainer Siegle
(c) Rolf Jantz

Huflattich (Tussilago farfara)

 

Ganz und gar kein Waldbewohner ist der Huflattich. Vielmehr findet man ihn meist in lückigen Pioniergesellschaften, wie sie z.B. im Bereich von Kiesgruben und Schuttplätzen, aber auch von Äckern auftreten. Bei den Wuchsorten handelt es sich meist um humusarme und bindige Böden.

Zuerst erscheinen im zeitigen Frühjahr die einköpfigen Stängel mit ihren meist bräunlichen Blattschuppen sowie den gelben Korbblüten. Die grundständigen, herzförmigen, unterseits graufilzigen Blätter erscheinen erst nach der Blütezeit.

Artporträt auf naturgucker.de