Bürgerforschung generiert wertvolle Daten

Europäische Kranichbeobachtungen aus naturgucker.de für das Jahr 2013. Der mögliche neue Zugweg über die Schweiz ist deutlich erkennbar (entnommen am 27.11.2013).

naturgucker.de basiert im Grundsatz auf dem offenen Konzept der Bürgerforschung (= Citizen Science).

Das Grundprinzip ist ganz einfach: Viele Menschen tragen ihre Naturbeobachtungen zentral zusammen. Die Datenmenge ist dabei um ein Vielfaches höher als bei professionellen Untersuchungen von hauptberuflichen Wissenschaftlern. Selbst wenn einzelne Beobachtungen dabei einmal etwas fehlerhaft sein sollten: Aufgrund der großen Datenmenge gleichen sich diese Fehler statistisch wieder aus.

Eine systematisch durchgeführte und generelle Plausiblisierung aller Beobachtungdaten lehnt naturgucker.de ab, weshalb sie bei uns nicht durchgeführt wird. Problematisch an einer Plausibilisierung aller Beobachtungen ist, dass dieses Vorgehen oft potenziell manipulativ ist und den Datenbestand korrumpieren kann. Zudem lassen sich einzelne Naturbeobachtungen bis auf sehr wenigen Ausnahmen ohnehin nicht als wahr oder falsch einstufen. Sie sind keine prüfbaren, empirisch-wissenschaftlichen Aussagen, sondern basieren grundsätzlich auf einem subjektiven Erleben und Verarbeiten visueller und/oder akustischer Reize. Mit dem komplexen Thema der Plausibilisierung von Naturbeobachtungsdaten haben sich einige aktive Naturgucker intensiv befasst und dazu im Jahr 2017 eine Artikelreihe in der Fachzeitschrift "Naturschutz und Landschaftsplanung" veröffentlicht. Die Beiträge finden Sie in unserem Download-Bereich.

Obwohl es keine pauschale Datenplausibilisierung bei naturgucker.de gibt, verfügt unsere Plattform dennoch über eine Qualitätssicherung, die so abgewickelt wird, dass sie sich möglichst wenig manipulativ auf den Gesamtdatenbestand auswirkt. Sie läuft parallel auf drei Ebenen ab: 

  • Fachhinweise bei der Eingabe von Beobachtungen
    Wird eine Beobachtung erfasst, die nach phänologischen oder geografischen Kennzeichen sehr unwahrscheinlich ist, erhalten Beobachter direkt bei der Erfassung einen entsprechende Hinweis. Sie können anschließend selbst entscheiden, ob sie die Beobachtung melden möchten oder lieber doch nicht.

  • Community-"Kontrolle"
    Da alle Beobachtungen und Bilder sämtlichen Besuchern von naturgucker.de angezeigt werden, kann auch jeder prüfen, ob er eine Beobachtung für wahrscheinlich bzw. eine Bestimmung für tragfähig erachtet. Wenn nicht, kann er entweder den Beobachter über das naturgucker.de-System direkt per eMail anschreiben oder einen öffentlich sichtbaren Kommentar hinterlassen. Beides ist allerdings nur möglich, wenn man registriert und im System angemeldet ist.
    Dieser Prozess der offenen Community-"Kontrolle" ist überaus wirksam und greift oftmals innerhalb sehr kurzer Zeit. Außerdem ist er für jeden im Detail nachvollziehbar, sodass sich jeder auch eine eigene Meinung dazu bilden kann und nicht auf irgendwelche "Expertenmeinungen" einzelner Dritter eingeschränkt wird. Ein eventuell ablaufender Plausibilisierungsprozess wird so für jedermann nachvollziehbar.

  • Fachbeirat
    Seit dem Frühjahr 2010 ist bei naturgucker.de der Fachbeirat aktiv, der mit erfahrenen Naturbeobachtern und Wissenschaftlern besetzt ist. Sie helfen den Nutzern bei Unsicherheiten gern mit ihrem Wissen weiter und fahnden bei kritischen Arten auch direkt im Datenbestand von naturgucker.de nach ungewöhnlichen Meldungen.

 

Die resultierende Datenqualität ist dabei mit gut 98% "guten" Datensätzen sehr hoch, wie eine Analyse des NABU Rheinland-Pfalz ergeben hat. Sie liegt damit auf gleichem Niveau wie bei dem großen nordamerikanischen System eBird, bei dem über 500 Kontrolleure aktiv sind.

Für weitere Transparenz sorgen auf naturgucker.de zwei Datenkennwerte, die in den meisten Artprofilen der in Deutschland heimischen Arten zu finden sind. Der Indikator Daten-Belastbarkeit (IDB) ist ein relatives statistisches Maß für die Belastbarkeit aller Beobachtungsdaten der jeweiligen Art in naturgucker.de bezogen auf Deutschland, siehe Beschreibung. Darüber hinaus gibt es den mAI, einen mehrdimensionalen Arthäufigkeits-Index. Er gibt Auskunft über die relative Häufigkeit oder Seltenheit von Beobachtungen einzelner Arten bezüglich ihrer Artgruppe, siehe Beschreibung.